Privatkonkurse sinken um 2,9 Prozent
Trotz anhaltend hoher Kosten und schwacher Wirtschaftsleistung ist die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren im ersten Quartal 2025 rückläufig.
Wien, 10.04.2025 – Laut aktueller KSV1870 Analyse wurden im ersten Quartal 2025 in Österreich 2.266 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet. Das sind um 2,9 Prozent weniger als im Vorjahr und im Schnitt 25 Fälle pro Tag. Fast alle Bundesländer verzeichnen Rückgänge – die Ausnahme bilden Wien, Burgenland und Tirol mit einem geringen Anstieg. Parallel dazu sind die vorläufigen Passiva* um +0,9 Prozent auf 237 Mio. Euro fast gleichgeblieben. Das entspricht einer durchschnittlichen Verschuldung pro Schuldner von rund 105.000 Euro. Trotz aktuell rückläufiger Entwicklung geht der KSV1870 davon aus, dass Ende 2025 rund 9.000 eröffnete Privatkonkurse zu Buche stehen werden. Ein Ergebnis, das leicht über jenem des vergangenen Jahres liegen würde.
Mit Blick auf die aktuelle Insolvenzanalyse zeigt sich im Bereich des Privatkonkurses eine rückläufige Entwicklung, die in dieser Form aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht erwartbar war. Die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist im ersten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahr um 2,9 Prozent auf 2.266 Verfahren gesunken. Von einer längerfristigen Trendumkehr kann zum jetzigen Zeitpunkt allerdings keineswegs gesprochen werden: „Die hohen Kosten machen weiterhin vielen Privathaushalten zu schaffen, eine gewisse finanzielle Resilienz scheint gegenwärtig jedoch noch gegeben zu sein. Ob die im Moment rückläufige Entwicklung bloß ein kurzes Strohfeuer ist und die Zahl der eröffneten Privatkonkurse in den kommenden Monaten tatsächlich sinken wird, ist aus heutiger Sicht kaum abschätzbar“, erklärt MMag. Karl-Heinz Götze, MBA, Leiter KSV1870 Insolvenz. Laut Wirtschaftsforschern gab es in den vergangenen Monaten vor allem im Handel, insbesondere im Einzelhandel, vorsichtige Anzeichen einer leichten Entspannung und das lässt auf eine positive Kaufkraft aufseiten der Konsumenten schließen. Die jüngste Entwicklung steht weiterhin auf sehr wackeligen Beinen und es bedarf zusätzlicher politischer Maßnahmen, um die reale Kaufkraft der Privaten weiter rasch zu stärken.
Bundesländer verzeichnen Rückgänge – Wien, Burgenland und Tirol die Ausnahmen
Mit Blick auf die Ergebnisse der einzelnen Bundesländer zeigt sich nahezu überall ein teils deutliches Minus. Am deutlichsten fällt der Rückgang in der Steiermark (- 19,9 %) und in Kärnten (- 15,5 %) aus. Im Gegensatz dazu sind die Bundesländer Wien und Tirol (+ 3 %) und das Burgenland mit 6 % jene Regionen, die als einzige einen leichten Anstieg verzeichnen. In absoluten Zahlen ist es keine Überraschung, dass die Bundeshauptstadt einmal mehr mit 807 Fällen die meisten eröffneten Schuldenregulierungsverfahren zählt.
Auch Passiva* werden kleiner
Parallel zur sinkenden Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren stehen am Ende des ersten Quartals 2025 auch ähnlich vorläufige Passiva* wie im Vorjahr zu Buche. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres sind diese lediglich um 0,9 Prozent auf insgesamt 237 Mio. Euro angestiegen. In den Bundesländern zeigt sich ein differenziertes Bild: Während sich die Passiva im Burgenland, Salzburg, Vorarlberg. Tirol und Kärnten erhöht haben, verzeichnen die restlichen Bundesländer einen Rückgang. Am deutlichsten fällt das Minus mit 21 Prozent in der Steiermark aus. Aufbauend auf diesen Ergebnissen ist quer über Österreich hinweg die durchschnittliche Verschuldenshöhe pro Schuldner um 5.000 Euro auf insgesamt 105.000 Euro angestiegen. „Als KSV1870 erinnern wir einmal mehr daran, dass der frühzeitige Schritt in ein geordnetes Schuldenregulierungsverfahren die Chancen deutlich verbessert, den finanziellen Turnaround zu schaffen“, erklärt Götze.
Schwierige Prognose: 9.000 Eröffnungen erwartet
Wie sich die Situation im Bereich der Privatkonkurse mit Blickrichtung Jahresende entwickeln wird, ist offen. Zwar gibt es seitens der Wirtschaftsforschung leichte Anzeichen, dass sich die Situation etwas erholen könnte, vieles wird jedoch auch davon abhängen, wie rasch es der neuen Bundesregierung gelingt, nicht nur die anhaltend hohen Kosten in vielen Bereichen des täglichen Lebens einzudämmen, sondern sie es auch gleichzeitig schafft, Maßnahmen zu setzen, die für reale finanzielle Entspannung bei den Privathaushalten sorgt. Aus heutiger Sicht erachtet es der KSV1870 als realistisch, dass am Ende des Jahres 2025 in etwa 9.000 eröffnete Schuldenregulierungsverfahren gezählt werden. Das wären rund 200 Fälle mehr als im Vorjahr. „Vieles wird davon abhängen, wie sich die Inflation im Jahresverlauf entwickelt und ob sich infolge steigender Unternehmensinsolvenzen auch ein möglicher Arbeitsplatzverlust auf lange Sicht auf die Entwicklung der Privatkonkurse signifikant auswirkt“, so Götze.
*) Die Passiva für das Jahr 1. Quartal 2025 sind vorläufige Werte und beziehen sich auf den Stichtag der Hochrechnung, den 08.04.2025. Im Zuge der fortlaufenden Insolvenzverfahren werden sich diese Passiva noch verändern.