Günther Fasching, Prokurist KSV1870 Information GmbH, erklärt, wie Bonitäten von Unternehmen zustande kommen und welche Rollen Kreditauskunfteien im Wirtschaftsgefüge einnehmen.
forum.ksv.online: Eine Ihrer zentralen Aufgaben ist die Bonitätsbewertung der heimischen Unternehmen. Über Geld und letztlich auch die Bonität spricht man nicht, hieß es früher. Ist das noch immer so?
Prokurist KSV1870 Information GmbH
Früher war das so, aber in den vergangenen 20 Jahren hat sich das Mindset sehr verändert. Risikomanagement ist in den Unternehmen mittlerweile dermaßen etabliert, dass kaum mehr Betriebe infrage stellen, dass die eigene Bonität von anderen überprüft wird. Viele werben heutzutage sogar aktiv mit ihrem guten Rating. Wir bieten zu diesem Zweck ein sogenanntes BonitätsLabel an. Der KSV1870 stellt einen QR-Code zur Verfügung, der zum aktuellen Rating führt. Der Auftraggeber kann den Code auf Werbemittel (Print und Online) integrieren. Dieser verhältnismäßig offensive Umgang mit der eigenen finanziellen Stabilität sorgt für Transparenz und ist auch ein Wettbewerbsvorteil. Demnächst wird es auch so sein, dass Bonitätsauskünfte über Unternehmen mit aktivem BonitätsLabel kostenfrei für alle Abfragenden sind.
Wie funktioniert das Geschäft einer Wirtschaftsauskunftei?
Die KSV1870 Information GmbH ist Dienstleister im Bereich Risikomanagement und serviciert als Partner der Wirtschaft Unternehmen und Konsumenten mit hochwertigen Wirtschaftsinformationen. Vom ursprünglich reinen Bonitätslieferanten haben wir uns heute zum verlässlichen Risiko- und Complianceprüfer für verschiedenste Geschäftsprozesse entwickelt. Durch moderne digitale Services ermöglichen wir sichere Geschäfte, unsere Geschäftspartnern können Regularien einhalten und Know-Your-Customer-Prozesse erfolgreich umsetzen. Unser Geschäftsmodell gründet auf einer Symbiose aus automatisierten Daten und individuellen Recherchen. Ziel ist es stets, Informationen aus unterschiedlichsten Datenpools durch modernste Technologien intelligent zu analysieren und in Echtzeit auszuspielen.
Dürfen Sie das? Auf welcher Legitimierung beruht diese Tätigkeit?
Wir nehmen die Rolle eines objektiven Dritten ein, der die Bonität seriös und basierend auf Fakten - und nicht nur Eigenangaben - feststellt. Wir liefern unseren Kundinnen und Kunden die inhaltliche Grundlage für Geschäftsentscheidungen. Unsere Tätigkeit als Kreditauskunftei beruht auf den entsprechenden Gewerbeberechtigungen. Das bedeutet, dass die Verarbeitung bonitätsrelevanter Daten nicht von der Zustimmung eines Betroffenen abhängig ist. Wir haben im Sinne des Gläubigerschutzes das Ziel, Wirtschaftstreibende vor finanziellem Schaden zu bewahren und ihre Liquidität zu fördern. Dazu erteilen wir Bonitätsauskünfte. Ihr Zweck ist, das Risiko von Zahlungsausfällen bestmöglich zu minimieren. Wir liefern Bonitätsdaten bei einem berechtigten Interesse und das bedeutet, dass unsere Informationen für einen Geschäftsabschluss oder im Rahmen der Geschäftsbeziehung - etwa zur Risikoprüfung - benötigt werden.
Und was kann ich tun, wenn ich mit meiner Bonität nicht zufrieden bin?
Je aktueller und umfangreicher die Unterlagen sind, desto genauer kann eine Bewertung des Ratings erfolgen.
In die Bewertung fließen immer alle uns zur Verfügung stehenden Informationen ein. Aus diesen Daten wird das KSV1870 Rating errechnet. Je aktueller und umfangreicher die Unterlagen sind, desto genauer kann eine Bewertung des Ratings erfolgen. Gerne können uns Unternehmen folgende Unterlagen für eine vertiefende Bewertung zur Verfügung stellen: Saldenlisten (auch unterjährig), Unbedenklichkeitsbescheinigungen von Krankenkasse oder vom Finanzamt, Kontoauszüge von der ÖGK oder dem Finanzamt. Aber auch Referenzen, etwa von Lieferanten, Vermieter oder EDV-Dienstleister sowie Vermögensnachweise, aktuelle Bilanzen inkl. GuV und Fortführungsprognosen. Wenn verfügbar akzeptieren wir auch Patronatserklärungen und Grundbuchsinformationen. Die Unternehmen können auch selber online auf unserer Website Daten bekannt geben: Wirtschaftsdatenblatt | KSV1870. Und bei Fragen bieten wir auch Ratinggespräche für Unternehmen an.
Wie wird die Bonität eines Unternehmens ermittelt und wie kompliziert ist das?
Viele Informationen, wie etwa Bilanzdaten, sind öffentlich einsehbar und fließen automatisiert in die KSV1870 Datenbanken ein. Aber es gibt bei uns auch sogenannte Info-Agents, die direkt mit Unternehmen in Kontakt treten, um Zahlen, Daten und Fakten zu aktualisieren und zu überprüfen. Umso mehr Informationen vorliegen, desto genauer kann die Einschätzung der Bonität erfolgen. Bonitätsrelevante Informationen werden im Rahmen der Ratingberechnung verdichtet und in Form des KSV1870 Rating mithilfe einer dreistelligen Kennzahl dargestellt. Die Berechnung erfolgt auf Basis etablierter mathematischer Modelle. Und um auf die Frage zurückzukommen, für uns ist das nicht kompliziert, für andere vielleicht schon.
Welche Bonitätsprodukte bieten Sie für welche Zwecke an?
Wir bieten drei Bonitätsauskünfte über Unternehmen an, die sich hinsichtlich der Datenmenge unterscheiden. Als Kunden muss ich mir überlegen, wie viele Informationen ich für den Zweck, den ich verfolge, wirklich benötige. Darüber hinaus ist die Auslieferungszeit ein Thema. Ich kann die verfügbaren Infos sofort abrufen oder ich beauftrage eine Recherche, die acht Stunden, zwei Tage oder vier Tage dauern kann – je nachdem, wofür sich der Kunde entscheidet. Daran orientiert sich auch der Preis. Mit diesen Produkten verwandt ist das BonitätsMonitoring – unsere Kunden legen gewisse Beobachtungskriterien fest, etwa das KSV1870 Rating, und werden bei Veränderungen laufend informiert.
Wie hat sich die Bonität der heimischen Wirtschaft allgemein in den vergangenen Jahren entwickelt?
Insgesamt stabil, dennoch zeigen sich aufgrund der Krisenjahre Verschiebungen in Ratingklassen mit höheren Risiken. Nachdem in der Datenbank 640.000 Unternehmen verfügbar sind, müssen schon massive Verschlechterungen eintreten, damit sich statistische Verschiebungen ergeben. Jüngst allerdings war das der Fall. Auch wenn sich die Mehrheit der Unternehmen noch immer in den guten Bonitätsklassen befindet, sehen wir innerhalb dieser einen „Shift“ nach unten. In dieselbe Kerbe schlagen die Ergebnisse des aktuellen Austrian Business Checks – einer KSV1870 Unternehmensbefragung. Die Geschäftslage ist seit einigen Jahren verbesserungswürdig, aktuell sprechen nur 48 Prozent von einer sehr guten oder guten Geschäftslage. In Konjunkturphasen lag der Wert bei mehr als 60 Prozent und da sollten wir wieder hinkommen. 85 Prozent der Betriebe sind zudem im Sparmodus und wenn ich mir die Prognose für die Geschäftslage 2026 (nur 22 Prozent glauben an eine Verbesserung) anschaue, scheint Optimismus aktuell kein gängiges Konzept zu sein.
Trotz des Einbruchs sind die Unternehmen also gut aufgestellt. Worauf führen Sie das zurück?
Österreichische Unternehmen wirtschaften grundsätzlich sehr gut. Sparen ist hierzulande eine Tugend und Risiken werden sehr genau abgewogen. Im Zweifel werden Investments gestrichen, um auf der sicheren Seite zu sein. Das hat natürlich ein Für und ein Wider. Auf diese Weise überdauern Unternehmen viele Jahre, aber ohne Investments und Risikobereitschaft droht auch die Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Zwar ist die aktuelle Lage für viele Betriebe schwierig, ich muss aber auch sagen, dass die Wirtschaft in Österreich insgesamt eine solide Substanz aufweist.
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