Die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist seit Jahresbeginn im Vergleich zu 2025 um 10,7 Prozent gestiegen. Parallel dazu haben sich die Passiva* um ein Fünftel erhöht.
Wien, 16.09.2026 – Laut aktueller KSV1870 Hochrechnung wurden in den ersten drei Quartalen 2026 in Österreich 7.390 eröffnete Schuldenregulierungsverfahren (+ 10,7 %) gezählt – das sind umgerechnet 27 Fälle pro Tag. Eine derart hohe Zahl an eröffneten Privatkonkursen wurde hierzulande zuletzt im Jahr 2018 verbucht. Nachdem die aktuelle Insolvenzdynamik jedoch in erster Linie auf das erhöhte Anmeldeaufkommen zur Jahreshälfte infolge der Mitte Juli ausgelaufenen Möglichkeit einer dreijährigen Entschuldung zurückzuführen ist, erwartet der KSV1870 eine zunehmende Beruhigung der gegenwärtigen Lage. Dennoch dürften am Jahresende rund 9.300 eröffnete Verfahren verzeichnet werden. Weiters sind seit Beginn des Jahres die vorläufigen Passiva* um 20 Prozent auf rund 1,1 Mrd. Euro angewachsen.
Neben den weiterhin hohen Kosten für Wohnen und den täglichen Lebensunterhalt belastet nicht nur die erhöhte Inflation die wirtschaftliche Stabilität der Menschen in Österreich, sondern auch die angespannte Lage am Arbeitsmarkt. Sämtliche dieser Faktoren wirken negativ auf die Kaufkraft, erhöhen den Kostendruck vieler Privathaushalte und steigern das Risiko finanzieller Engpässe. „Aufgrund der unverändert angespannten wirtschaftlichen Lage war ein Anstieg der Privatkonkurse ebenso wie vor dem Hintergrund der im Juli veränderten Gesetzeslage und des Auslaufens der dreijährigen Entschuldungsmöglichkeit zu erwarten“, erklärt MMag. Karl-Heinz Götze, MBA, Leiter KSV1870 Insolvenz, der weiter ausführt: „Insgesamt muss von einer deutlichen Zunahme gesprochen werden, die jedoch in Richtung Jahresende tendenziell wieder abflachen wird. Vor allem deshalb, weil der aktuell deutliche Anstieg in erster Linie der gesetzlichen Veränderung geschuldet ist und bereits in den vergangenen Wochen eine Beruhigung dieses kurzfristigen ‚Einmaleffekts‘ erkennbar war.“
Drittes Quartal 2026 mit Rekordwert
Nach dem Anstieg der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren von 2.247 im ersten auf 2.481 im zweiten Quartal 2026 setzte sich die Entwicklung im dritten Quartal mit 2.662 Fällen fort. Diese Entwicklung ist maßgeblich auf das Auslaufen der dreijährigen Entschuldungsmöglichkeit Mitte Juli zurückzuführen, da von vielen Schuldnern die für sie „günstigere“ Gesetzeslage noch rechtzeitig entsprechend genutzt wurde. Damit verzeichnet das dritte Quartal 2026 aber nicht nur die meisten Privatkonkurse im bisherigen Jahresverlauf, sondern zugleich die höchste Zahl an eröffneten Verfahren seit dem zweiten Quartal 2018. Das zweite Quartal 2018 war noch stark von Nachholeffekten der Insolvenzrechtsreform 2017 geprägt, mit der die Entschuldungsdauer von sieben auf fünf Jahre verkürzt und die Mindestquote von zehn Prozent abgeschafft wurde.
Passiva* steigen
Wie aus der aktuellen KSV1870 Hochrechnung hervorgeht, sind parallel zu den Fallzahlen auch die vorläufigen Passiva* deutlich gestiegen. Diese haben sich seit Jahresbeginn im Vergleich zum vergangenen Jahr um 20 Prozent auf insgesamt 1,1 Mrd. Euro erhöht. Auffallend dabei ist, dass es einzig in Tirol ein geringes Minus von 1,1 Prozent (bei gleichzeitigem Anstieg der Fallzahlen von 31 %) gibt, in allen anderen acht Bundesländern teils deutliche Zuwächse der vorläufigen Passiva* verzeichnet werden. Am massivsten fällt der Zuwachs in
Vorarlberg (+ 103,8 %) aus, wo sich die Verbindlichkeiten verdoppelt haben. Aber auch im Burgenland (+ 56,5 %) und in Salzburg (+ 51,7 %) stehen beträchtliche Zuwächse zu Buche.
Prognose: 9.300 eröffnete Schuldenregulierungsverfahren erwartet
Angesichts des Anstiegs im dritten Quartal 2026 rechnet der KSV1870 aus heutiger Sicht am Jahresende mit rund 9.300 eröffneten Schuldenregulierungsverfahren in Österreich und würde damit rund 500 Fälle über dem Vorjahresniveau liegen, aber weiterhin unter dem Vorkrisenniveau (9.500 Verfahren). Geschuldet wäre dieser Anstieg vordergründig dem „kurzfristigen Einmaleffekt“ aufgrund der gesetzlichen Änderung im Juli 2026, zumal sich die Situation in puncto Insolvenzeröffnungen seit Mitte August wieder etwas beruhigt hat: „Es ist derzeit davon auszugehen, dass sich die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren in den nächsten Wochen wieder auf dem Niveau des ersten Halbjahres oder sogar etwas darunter einpendeln wird“, so Götze.
*) Die Passiva für die ersten drei Quartale 2026 sind vorläufige Werte und beziehen sich auf den Stichtag der Hochrechnung, den 09.09.2026. Im Zuge der fortlaufenden Insolvenzverfahren werden sich diese Passiva noch verändern.
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