„Zu viele Bälle in der Luft“

Der CEO der KSV1870 Holding AG analysiert im Sommerinterview die aktuelle Lage der österreichischen Wirtschaft. Im ersten von drei Teilen geht es um den Status quo und wo die größten Baustellen liegen.  

Portraitfoto von Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding GmbH
Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG

forum.ksv online: Österreich zur Jahreshälfte 2026: In welche Richtung geht die wirtschaftliche Entwicklung?

Wir müssen zwischen der aktuellen Lage und der langfristigen Entwicklung differenzieren. Mit der derzeitigen Geschäftslage sind laut unserer jüngsten Austrian-Business-Check-Umfrage nur 48 Prozent zufrieden. Das ist weiterhin ein deutlich zu niedriger Wert. Das Ziel muss sein, die Marke von 60 Prozent zu erreichen, um zumindest wieder auf das Vorkrisenniveau zu kommen. Gleichzeitig bestätigen sieben von zehn Unternehmen, dass sie trotz aller Unwegsamkeiten in den vergangenen Jahren eine stabile wirtschaftliche Basis aufweisen. Von dieser Stabilität profitieren aktuell noch viele Unternehmen, doch werden früher oder später auch bei ihnen die finanziellen Mittel knapp.  

Ist das schwache Ergebnis ausschließlich auf die aktuellen Rahmenbedingungen zurückzuführen? 

Die Risikolage ist aktuell eine besonders herausfordernde, die es in dieser Dimension bisher nur äußerst selten gab. Die aktuelle Lage in Österreich lässt sich ein Stück weit mit jener eines Jongleurs vergleichen: Unternehmen können im Regelfall zwei bis drei Bälle ganz gut jonglieren, wenn es so wie jetzt aber vier oder fünf Bälle werden, die gleichzeitig in der Luft gehalten werden müssen, wird es heikel. Gleichzeitig erfordern viele internationale Krisen Lösungen, die über nationale Grenzen hinausgehen und nicht auf nationaler Ebene allein zu lösen sind. 

Bleiben wir beim Bild eines Jongleurs: In welchen Bereichen prasselt aktuell besonders viel auf die Unternehmen ein? 

Das sind allen voran die Kosten: Energiekosten, Personalkosten, Lohnnebenkosten sind die Knackpunkte. Zwar wurde seitens der Bundesregierung im Doppelbudget 2027/28 ein Weg skizziert, der eine Senkung der Lohnnebenkosten vorsieht, doch wie nachhaltig dieser tatsächlich sein wird, zumal die geplanten Reduktionen ein Stück weit durch die Unternehmen selbst finanziert werden sollen, vermag ich nicht final zu beurteilen. Ich habe jedenfalls die Befürchtung, dass die geplanten Maßnahmen nicht ausreichen werden, um das Schiff in ruhigere Gewässer zu manövrieren. Darüber hinaus ist und bleibt die Regulatorik ein zentraler Punkt. Wir lassen Omnibusse durch die Gegend fahren, nur keiner merkt etwas davon. Kein Unternehmer spürt, dass ihm etwas leichter gemacht wird. Es kommt so gut wie nie zu spürbaren Entlastungen.